Canyon Speedmax CF 7.0

War langsam die Zeit mal wieder reif? Oder anders gefragt... ist die Zeit nicht immer reif? Für ein neues Rad?

Das hat wohl jeder Triathlet oder auch Rennradfahrer schon erlebt. Wenn man sich einmal mit der Frage beschäftigt hat, ob es nicht langsam an der Zeit wäre, ein neues Rad anzuschaffen, dann ist es meistens schon zu spät, von diesem Zug wieder abzuspringen. Inzwischen erahnt das meine Frau auch schon ziemlich gut. Wenn sie abends auf der Couch an drei aufeinander folgenden Tagen, eine geöffnete  Bike-Seite auf dem iPad erblickt, im Regelfall noch begleitet von Unmengen in der Wohnung verteilter Rad-Zeitschriften, dann vermutet sie meist zurecht, dass da wieder was im Busch sein könnte.

 

Und so dann auch im letzten Herbst. Mein altes Tria-Bike (ein Centurion Overdrive in der Alu-Variante) war – wie ich befand – langsam reif für ein Update.  Nicht falsch verstehen,  ich bin mit dem Centurion bisher wirklich gut gefahren, es ist ein gutes Rad und es war mir bei vielen Veranstaltungen ein treuer Begleiter. Die Geo passt inzwischen super und unter uns, für meine Radambitionen bräuchte ich eigentlich nicht wirklich was Neues.

 

Aber im Leben siegt bekanntlich nicht immer die Vernunft. Ein Radkauf ist Emotion pur! Punkt. Und wer das nicht versteht, der braucht gar nicht weiter zu lesen!

 

Für alle anderen: Gerade beim Thema Rennmaschine spielt der unter Medizinern als „Haben-Wollen“ bekannte Effekt, meist eine nicht zu unterschätzende Nebenrolle. Wahrscheinlich hat das jeder Triathlet schon einmal erlebt und sich damit bei der Angebeteten oder dem Bänker seines Vertrauens unbeliebt gemacht…

Der fairnesshalber muss auch noch erwähnt werden, dass ich ein Canyon Fan bin! Und das schon seit zig Jahren. Mein allererstes Canyon, ein Ultimate AL, habe ich 2007 erworben und erst im letzten Jahr ersetzt. Und daher war dann relativ schnell klar, dass es nun wieder ein Canyon sein musste – so ganz ohne ist auch doof!

Und ich würde ebenfalls lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir das Speedmax nicht schon seit dem Erscheinen des aktuellen Modells 2016 extrem gut gefallen hat. Wie ich finde, eins der wirklich schönsten Räder auf dem Markt!

Kurz hatte ich darüber nachgedacht, dieses Jahr noch abzuwarten, da es langsam immer wahrscheinlicher scheint, dass Canyon zum Ironman im Oktober eine neue Version des Rades vorstellen wird – der aktuelle Rahmen geht 2019 ins insgesamt vierte Jahr.

Aber abschließend habe ich mich dann doch dagegen entschieden, ganz nach dem Motto: Mir gefällt nunmal die aktuelle Version, warum also abwarten!?

Recht schnell war ebenfalls klar, dass es bei der "einfachen" Version des Speedmax bleiben sollte. Das CF SLX, wie es die Frodenos, Langes und Phillipps dieser Welt fahren, ist zwar noch eine Spur geiler, aber mir erstens schlichtweg viel zu teuer und zweitens, hab ich es - auch wenn es aerodynamisch inzwischen bessere Lösungen geben mag  - immer noch sehr gerne, wenn ganz "normale" Bremsen verbaut sind.

Ich warte und pflege meine Räder selber und nehme daher den aerodynamischen Nachteil sehr gerne in Kauf, wenn ich dafür ordentlich an alles rankomme.

Also die digitalen Prospekte gewälzt. Nun hieß es, die unterschiedlichen Varianten des CF zu vergleichen und auch erste Kompromisse einzugehen. Denn am  liebsten hätte ich den CF Rahmen zusammen mit einer Ultegra-Ausstattung gewählt, aber diese Kombination gibt es so bei Canyon leider nur in Verbindung mit einem Satz Hochprofil-Carbon-Laufrädern.

Man kann also entweder für 2299€ die 105er-Version mir günstigen Rädern wählen, oder aber die Ultegra-Variante mit Mavic Comete-Laufrädern. Diese kostet dann aber bereits 700€ mehr, und das lag dann mit 3000€ deutlich über meinem Budget. Außerdem habe ich zuhause einen Satz Cosmic-Laufräder, die ich gerne weiter verwenden wollte. Und da ich also keine neuen Aero-Laufräder brauchte, wollte ich das Geld dafür auch nicht ausgeben. Canyon bietet hier leider kein klassisches Baukastensystem an, und daher lief schlussendlich alles eher in Richtung der 105er Variante.

 

Also wieder Prospekte rausgekramt und die Gruppen verglichen. In den Testberichten kommt die neue 105er wirklich überall mehr als gut weg, die Distanz zur Ultegra ist in der aktuellen R7000er Version (wieder mal) noch kleiner geworden. Und da ich auch immer mal wieder mit dem Gedanken spiele, doch vielleicht irgendwann auf Wattmessung umzusteigen und die Kurbel dann zwangsweise eh tauschen müsste, wurde – ich mache es kurz – das Rad Anfang März bestellt. Mit 105er.

 

Die Freude war natürlich riesig, als nach knappen 3 Wochen der große Karton im Flur stand. Und die Freude wurde noch größer, als wir das Teil dann vorsichtig aus dem Karton zogen! Denn das, was da zum Vorschein kam, ist schlichtweg der Hammer!

Ein wunderschön designtes Stück Carbon, mit Grafiken in Hochglanz-Schwarz auf dem mattschwarzen Carbon des Rahmens – eine  Augenweide, ehrlich!

 

Ich hatte mir den folgenden Samstag freigehalten, um den Zahnkranz auf die Cosmics um zu schrauben, alles andere sorgfältig zusammen zu bauen und abschließend auf meine Körpermaße einzustellen. Zu Beginn erstmal mit vier Zentimetern Spacer unter die Armpads – runtergehen kann man ja immer noch.

 

Und was soll ich sagen, es sieht nicht nur grandios aus, es fährt auch so. Wie sich die 105er nach ein paar Tausend Kilometern verhält, das kann ich natürlich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen, aber das Komplettpaket gefällt mir wirklich sehr gut. Keinerlei böse Überraschungen, im wahrsten Sinne des Wortes. Man setzt sich drauf und es passt alles. Die 105er tut souverän ihren Dienst, und die Geometrie des Rades passt hervorragend zu mir – fast erschreckend sogar. Eventuell schiebe ich dann nochmal einen Erfahrungsbericht nach, wenn ich die ersten 1000km runter habe.

Ich denke allerdings nicht, dass ich viel weiter als die 4cm Spacer runtergehen kann. Aber das werden wir dann im Sommer sehen, und auch jetzt schon sieht mein Rücken von der Seite betrachtet nicht wirklich zu hoch, sondern im Gesamtbild recht stimmig aus.

 

Auch wenn ich natürlich weiß, dass das Gewicht bei einem Triathlonrad eigentlich zu vernachlässigen ist, empfinde ich es trotzdem als riesen Vorteil, wenn sich ein Rad leicht anfühlt. Und die fast 2kg Gewichtsersparnis gegenüber meinem älteren Triathlonrad fühlen sich wirklich enorm an. Naja, vielleicht bewerte ich das Ganze auch über, aber ich komme nun mal eher vom "klassischen" Rennradfahren und mag das reaktionsfreudige Verhalten eines leichteren Rades einfach sehr.

 

Kurzum, es war die richtige Entscheidung, das Rad zu bestellen. Und da es so schnell geliefert wurde, kann ich nun noch den ganzen Frühling mitnehmen und in Ruhe an der Sitzposition tüfteln. In Deutschland fängt die Radsaison ja gerade erst richtig an, und ich kann's nun kaum noch erwarten von der Rolle endlich wieder nach draußen zu wechseln.

 

Hut ab, Canyon. Ein wirklich krasses Gefährt zu einem guten Preis!

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